Da es unpraktisch war, schweres Münzgeld mit sich zu führen,bevorzugten die französischen Bürger schon bald das Papiergeld. Siehinterlegten ihre Gold- und Silbermünzen bei der Bank und erhielten imAustausch dafür Geldscheine. Das ist heute nicht anders als damals –man sammelt sein schweres Kleingeld in einer Spardose, weil man es nicht ständig mit sich herumtragen möchte. Ist die Spardose voll, bringt man Sie zur Bank (oder auch zum nächsten Laden) und lässt sich den Wert in Scheinen auszahlen.
Das neue System erforderte das Vertrauen der Bürger in die Banque Générale und deren Fähigkeit, Geldscheine gegen Münzen zurückzukaufen.
Sobald dieses Vertrauen hergestellt war, war das Papiergeld im wahrsten Sinne des Wortes „Gold wert“.
Als mehr und mehr Bürger ihr Gold gegen Papiergeld eintauschten, füllten sich die Tresore der Bank immer weiter mit Gold.
Um die Erklärung abzuschließen, muss ich an dieser Stelle darauf eingehen, wie das Bankwesen entstand.
In früheren Zeiten gab es keine Kredite. Wollte man etwas kaufen, ging man mit seinem Münzsäckel zum Händler und bezahlte dort in Gold- und Silbermünzen. Viele Bürger wollten jedoch aus Angst, bestohlen zu werden, ihre Münzen nicht zu Hause aufbewahren oder auf Reisen mit sich führen. Deshalb ließen sie ihre Münzen sicher im Tresor einer Bank verwahren. Je mehr Menschen ihre Münzen zu den Banken brachten, desto mehr füllten sich deren Tresore. Schon bald erkannten die Banken, dass niemals ALLE Kunden ihr GESAMTES Gold (gleichzeitig) wieder abheben würden. So begannen sie, das Gold fremder Leute kurzfristig an andere zu „verleihen“. Kredite und Darlehen waren geboren.
John Law wusste durch die Tätigkeit in der Bank seines Vaters, wie Kredite und Darlehen funktionieren. Erstmals in der Geschichte gab es nun also „Kredite“ als Finanzinstrument.
Und genau an dieser Stelle kommt das Pyramidensystem ins Spiel. Nach meiner Abschweifung in das Bank- und Kreditwesen hier nochmals eine kurze Zusammenfassung der damaligen Ausgangssituation, damit meine Erklärung des Pyramidensystems wirklich jedem verständlich wird.
Wir haben auf der einen Seite das Land Frankreich, das seine Staatsschulden durch Ummünzen bedienen möchte, was allerdings scheitert. Und wir haben auf der anderen Seite den Ökonom John Law, einen Mann mit umfassenden Kenntnissen im Bankwesen, der die Bürger dazu anreizt, ihr Gold und Silber im Tausch gegen Papiergeld bei seiner Bank zu hinterlegen. Die Regierung steigert das Vertrauen in dieses Papiergeld, indem sie John Laws Bank zur Zentralbank ernennt und Papiergeld als Zahlungsmittel für Steuerzahlungen akzeptiert.
Dieses System funktionierte gut… aber nicht lange.
Die Banque Générale nahm enorme Mengen an Gold ein, das in den Tresoren eingelagert wurde. Mit all dem Gold in ihren Tresoren war es der Bank nun möglich, Kredite zu verleihen… Doch verlieh man diese nicht in echtem Münz-, sondern vielmehr Papiergeld.
Das war der Trick:
Das „harte“ Produkt – Gold und Silber – verschwand im Hintergrund, und das Scheinprodukt „Papiergeld“ rückte in den Mittelpunkt. Erinnert das nicht sehr an moderne Zeiten?
DAS BANKWESEN ENTWICKELT SICH ZUM PYRAMIDENSYSTEM
Der Regent Philipp II., Duc d’Orléans wandelte die Banque Générale 1718 in die börsennotierte Banque Royale de France um. Nun konnten die Bürger Aktien der Regierungsbank kaufen und Kredite in Form von Bankdarlehen aufnehmen. Über nur wenige Jahre gab die Bank mehr als eine Milliarde französischer Livres in Papiergeld an die Öffentlichkeit aus.
Vergessen Sie nicht, dass sich all diese „Papierdarlehen“ und „Papieraktien“ auf das „Produkt“ Gold- und Silbermünzen in den Tresoren der Bank stützten. Man sieht: Sobald der Zauberkünstler jedermann glauben gemacht hatte, dass Papier so gut sei wie Gold, musste er das Gold gar nicht mehr vorweisen können.
Viele Unternehmen nutzten die Kredite der Banque Royale de France und expandierten ihren Handel im In- und Ausland. Im Ausland konnte das Papiergeld aus Frankreich jedoch nicht eingetauscht werden, so dass nach wie vor Zahlung in Gold und Silber gefordert wurde. Langsam aber sicher begann das Gold und Silber, das zur Deckung der in Papiergeld ausgegebenen Kredite diente, aus Frankreich in das Ausland abzufließen. Durch den zunehmenden Geldverleih der Banken schwelte in den Bürgern Frankreichs langsam der Verdacht, dass das Gold und Silber als solide Stütze hinter dem Papiergeld mehr und mehr zu schwinden schien. So begannen Anleger zunehmend, ihr Papiergeld wieder in Münzgeld zurückzutauschen und dieses zu ausländischen Banken zu transferieren.
Bis 1720 kam es zu einer zunehmenden Verknappung des Münzgeldes. Die Tresore, die einst prall mit Gold und Silber gefüllt waren, leerten sich mehr und mehr. Dennoch wurde weiterhin Papiergeld verliehen. Um die Bürger davon abzuhalten, ihr Papiergeld zurück in Gold- und Silbermünzen zu tauschen, wertete die Regierung das Münzgeld um 10 % unter den Wert des Papiergelds ab. Zudem beschränkte die Bank die Münzmenge, die pro Person ausgegeben werden durfte, auf 100 Livres Gold und 10 Livres Silber. Die Regierung gab nun also vor, Gold und Silber seien weniger wert als ihr Papiergeld!
Im Februar 1720 unterlief John Law ein fataler Fehler. Auf seinen Vorschlag hin erließ der Regent ein Dekret, das es unter Androhung hoher Strafen und der Beschlagnahmung der Besitztümer jedermann verbot, mehr als 500 Livres Münzgeld zu besitzen und Edelsteine, Schmuck, Silberwaren, oder sonstige Wertgegenstände zu horten. Ein verzweifelter Versuch der Regierung, das Gold und Silber zurückzuhalten, das man zur Sicherung der ausgegebenen Währung und der Aktien der eigenen Bank benötigte. Das Dekret bewirkte einen Aufruhr in der Öffentlichkeit.
Im Mai 1720 schließlich waren die Tresore der Bank leer und es konnten keine Gold- und Silbermünzen mehr ausbezahlt werden. Die Seifenblase platzte, die Pyramide stürzte ein.
John Law, einst Nationalheld, wurde zum Sündenbock für das Geldproblem einer ganzen Nation. Die französische Regierung beschuldigte ihn für das Debakel, der wütende Mob wollte ihn lynchen.
Um die Wiederholung eines solchen Desasters zu verhindern führten viele Länder den Goldstandard ein, welcher vorschreibt, dass ausgegebenes Papiergeld durch ausreichende Goldreserven gedeckt sein muss.
Heute allerdings besitzt keine der international anerkannten Währungen (US-Dollar, Pfund, Yen, usw.) mehr eine Deckung durch gleich welches Produkt. Ihr Wert stützt sich auf „reinen Glauben“. Regierungen können „Geld aus dem Nichts erschaffen“, indem sie einfach mehr Geld drucken – und tun dies auch. Und Regierungen können ihre Währung beliebig abwerten – und auch das wird getan. Es gibt keinen Unterschied zu dem berühmten Finanzbetrug, von dem Sie gerade gelesen haben.
Ups!
Warum erzähle ich Ihnen das?
Weil ich Ihnen aufzeigen möchte, dass Pyramidensysteme nichts mit MLM zu tun haben.
Betrug ist deshalb Betrug, weil jemand versucht, einen anderen vorsätzlich zu täuschen. Im Beispiel oben war es die französische Regierung, die versuchte ihre Bürger zu täuschen, indem man vorgab, Papiergeld besäße den gleichen Wert wie Gold. Die Regierung hatte die Absicht, Geld ohne Deckung durch ein Produkt oder Produktion zu schaffen.
Das Fundament jedes rechtlich einwandfreien Geschäfts bilden Produkte, die von Kunden konsumiert werden, weil sie ihnen einen Vorteil verschaffen. Wenn Sie diesen Grundsatz verstanden haben, werden Sie Pyramidensysteme sofort als solche erkennen und niemals auf ein Pyramidensystem hereinfallen.